Ich bin ein Millennial, ein Kind der 90er, ein Otaku (= japanischer Begriff für eine Person mit einer extremen Leidenschaft für ein bestimmtes Hobby, vor allem aus den Bereichen Anime, Manga, Videospiele oder Popkultur) und ja, ich höre bis heute noch die Musik von
Frank Schindel, der so ziemlich jeden Anime-Song meiner Kindheit geprägt hat. Natürlich schaue ich Stranger Things, spiele Computerspiele und schaue so ziemlich jedes K/-C-/J-Drama, welches mir unter die Finger kommt. Und falls du dich fragst, ob hier etwas wesentliches in der Liste fehlt: Selbstverständlich gehöre ich zu den Blinks (= Fans von Blackpink) und zur Army (Fans von BTS), auch wenn ich eher mit Girls Generation, Lee Hyori und Boa aufgewachsen bin.
Zwischen Nostalgie und Fortschritt
Warum ich das schreibe? Weil die ganze Welt von Authentizität spricht, man diese aber wirklich lange unter der glatt polierten Fassade suchen muss. Ich weiß, dass es dem einen oder der anderen von euch genauso geht. Ihr sucht verzweifelt nach der Individualität, der Leidenschaft, dem Besonderen. Ich will an dieser Stelle nicht gänzlich in Nostalgie verfallen, aber wir haben die Kleidung unserer älteren Geschwister getragen, Diddle-Blätter getauscht, sind mit Linkin Park-Songs eingeschlafen (für meine Mutter ist das bis heute noch ein Mysterium) und sind ausgeflippt, wenn die Videothek einen neuen Film hatte, den wir noch nicht gesehen haben.
Mich verwundert es nicht, dass einige Dinge hiervon wiederkommen, Diddle, wieder „In“ ist, Platten einen anhaltenden „Run“ erfahren und Menschen sich zunehmend nach analogen Events sehnen, bei denen man zusammen sitzt, liest, tanzt, singt oder gemeinsam ins Gespräch kommt. In meinem Umfeld kommen diese Begegnungen allerdings immer weniger vor.
Natürlich könnte ich jetzt Social Media oder dem eigenen Alter die Schuld in die Schuhe schieben. Damit hätte sich die Sache und dieser Beitrag käme zu einem schnellen Ende, aber seien wir mal ehrlich:
Wir sind hier auch ein wenig gemütlich geworden.
Bequemlichkeit hat ihren Preis
Wir haben die kleinen Supercomputer dankend angenommen, fanden es spannend, durch Social Media zu Voyeuren/ Voyeurinnen zu werden und einen Einblick in das Leben anderer zu erhalten. Ich meine, wer möchte sich auch für den Rest seines Lebens auf dem schmalen Grad des Verbrechens bewegen, indem er das Wort „Copyright“ während des CD-Brennens nicht einmal zu Buchstabieren weiß, wenn es heutzutage Spotify, Netflix, Amazon Prime und Co. gibt? Wir sind vermutlich auch froh, die Faxgeräte los zu sein und an der Demokratisierung des Wissens partizipieren zu können, das zuvor nur einzelnen Institutionen zugänglich war.
Ich verfalle hier also nicht gänzlich der Romantisierung der Vergangenheit, denn hierzu sind die Vorteile der Gegenwart zu prägnant. Was ich in diesem Kontext jedoch sehr kritisch sehe, ist die eingangs beschriebene Authentizität, die durch KI meiner Ansicht nach nicht wirklich eine Bereicherung erfährt. Oder um es etwas rabiater zu beschreiben:
Wenn ich den heutigen KI-generierten Content sehe, muss ich gestehen, dass mir oft der Gedanke kommt, dass es sich bei vielen Beiträgen um austauschbaren, seelenlosen Bullshit handelt.
Doch es ist nicht nur der langweilige, sich wiederholende Blödsinn, den wir täglich lesen. Diesen hatten wir schließlich schon vorher in Form von schlecht formulierten Marketingkampagnen.
Die Illusion der eigenen Kompetenz
KI weckt in uns eine Art Kompetenzillusion, d.h. wir laufen Gefahr, zunehmend dem Glauben zu verfallen, wir könnten unsere kognitiven Fähigkeiten virtuell auslagern und hierdurch allwissend werden. Dadurch verlernen wir es, unserer eigenen Metakognition zu vertrauen, d.h. dem Prozess, der es uns ermöglicht, eigene Denkprozesse zu reflektieren, zu beobachten, zu hinterfragen und zu steuern.
Das Ganze erreicht sogar noch eine höhere Stufe der Absurdität, denn die industrielle Produktion von Belanglosigkeiten, auf welche auch zunehmend die KI selbst zugreift und auf deren Grundlage sie trainiert wird, führt zu einem nie enden wollenden Kreislauf der Banalitäten und der Verdummung. Die Inhalte werden hierdurch zwangsläufig qualitativ immer schlechter, besonders wenn die KI nur noch mit Inhalten weiterer KI-Agenten trainiert wird (siehe „Modellkollaps“ (Model Collapse) oder „Autophagie-Schleife“)
Im Alltag sehen wir das durch die Klassiker: Falsche Quellen, keine Kommasetzung, unzählige Bindestriche und „gedichtformartige“ Rückmeldung sowie die Verwendung der immer gleichen Formulierungen.
Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, braucht es einen kollaborativen, pluralistischen Algorithmus, d.h. eine KI, die nicht versucht deiner Vorstellung zu entsprechen und die gewünschte Antwort zu liefern, sondern mehrere alternative Antworten anbietet, um die eigenen kognitiven Fähigkeiten zu stärken. Hierdurch wird ermöglicht, zurück von den unkontrollierten „Übernahmemodus“ in den kritischen „Prüfungsmodus“ zu gelangen.
Jetzt kann natürlich nicht jeder von uns die Revolution gegen Big Tech anführen und eine KI entwickeln, die genau dieser Vorstellung entspricht, doch was wir machen können, ist: Uns daran zu erinnern, wer wir waren und wer wir sein wollen.
Auf Social Media bewegen wir uns ständig nur durch die Lebenswelt anderer und scrollen uns unkontrolliert, impulsgesteuert und fast schon exzessiv durch ihre Träume, Ideen und letztlich auch durch Angebote dritter. Auch ich nehme mich hier nicht raus und ja, ich bin Multigründerin, selbstverständlich möchte auch ich der Welt zeigen, wer ich bin und was ich bewegen kann, indem ich auf meine Themen aufmerksam mache.
Zurück zur eigenen Stimme

Was ich jedoch viel mehr möchte, ist gute Geschichten zu lesen, Menschen kennenzulernen, die sich ehrlich machen und Positionierungen von Menschen zu erleben, mit denen ich mich identifizieren kann. Besonders weibliche Role Models gehören für mich in den Blickpunkt der Aufmerksamkeit, was den Grundstein zur Gründung des Onlinemagazins FemalExperts gelegt hat. Ich nutze hier auch zunehmend die Kommentarspalte bei LinkedIn, denn meine Community hat es verstanden, unter so ziemlich jeden Post, in welchem Expert*innen gesucht werden, alle Koryphäen der Berufs- und Unternehmenswelt darunter schreiben und ich nehme dies dankend als Einladung an, mich mit ihnen zu vernetzen, in Verbindung zu treten und vielleicht sogar zusammenzuarbeiten.
Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle einen sogenannten „Nudge“ (=Impuls) setzen, der dich heute begleiten darf:
Vergiss die Superlative wie höher, weiter, schneller, schlauer, schöner oder resilienter.
Sichtbarkeit braucht Persönlichkeit
Erinnere dich stattdessen daran, dass es etwas Wesentliches gibt, das Social Media und KI nicht leisten können: Das Gefühl zu wecken, welches du hast, wenn ein Song aus deiner Kindheit gespielt wird und es dich nicht mehr auf dem Stuhl hält. Eine Geschichte zu kreieren, die andere zu Tränen rührt oder sie in Bewegung bringt. Identifikation und Verbundenheit zu schaffen unter Fremden, die sich zum ersten Mal (digital oder analog) begegnen, denn das kannst nur Du allein.
Falls du also Lust hast, auch deine Geschichte zu teilen und sichtbar zu werden, denk dran: Mut tritt niemals an die Stelle von Angst. Er geht ihr voraus und manchmal folgt er auch auf die Angst, weil die Komfortzone verlassen wird. Ich freue mich sehr, wenn wir diese Komfortzone gemeinsam verlassen wollen und du deinen Lieblingssong, deine Kindheitserinnerungen oder deine Ideen und Träume mit mir teilen willst.
Vielleicht hören wir uns im FemalExperts Podcast, rocken gemeinsam einen Workshop oder verbinden uns virtuell miteinander via LinkedIn. So oder so freue ich mich, dass du dir die Zeit genommen hast, diesen Beitrag zu lesen und ich verspreche dir: Er stammt zu 100% aus meiner Feder und KI kann sich hier noch eine Scheibe von mir abschneiden.
