Zeitmanagement – Eine Chance innere Ruhe zu schaffen?

Ich beginne meinen Beitrag zum Zeitmanagement sogleich mit einer gewagten Aussage:

„Zeit kann nicht gewonnen werden, sie kann nicht verloren oder gespart werden und wir können sie schon gar nicht managen.“

Unsere Arbeitszeit ist eine inszenierte Gegenwelt zu unserem eigentlichen menschlichen Rhythmus. Dies führt dazu, dass wir unglaublich viel Kraft dafür aufwenden, um innerhalb der Verdichtung unserer täglichen Termine, kleine „Auszeiten“ zu generieren.

Natürlich handelt es sich hierbei um eine Falle. Wir können schließlich nicht erwarten, uns täglich in Stresssituationen zu begeben und die daraus resultierenden Schäden dann innerhalb von vier Wochen Urlaub im Jahr durch Wellness-Wochenenden oder Yoga-Retreats wieder zu beheben.

Es ist wichtig an unserer Haltung gegenüber der Zeit zu arbeiten

Unsere Erwartungshaltung beeinflusst unser Zeitempfinden und unsere Bewertung der Zeit. Genau da können wir als erstes ansetzen.

Stellen Sie sich vor, sie steigen in einen Bus und wissen, die Fahrt wird nun voraussichtlich eine Stunde dauern. Sollte sich diese nun aufgrund einer unvorhersehbaren dichten Verkehrslage auf zwei Stunden verlängern, so sind Sie vermutlich verärgert. Sie haben das Gefühl, dass Ihnen Zeit verloren geht oder Sie diese unnötig verschwenden.

Nun stellen Sie sich vor, Sie steigen erneut in den Bus und wissen, die Fahrt dauert ungefähr drei Stunden. Die Verkehrslage ist jedoch so günstig, dass Sie Ihren Ankunftstort bereits nach zwei Stunden erreichen. Nun empfinden Sie vielleicht Erleichterung oder freuen sich gar. Sie haben das Gefühl, Sie hätten Zeit gewonnen oder geschenkt bekommen, die Sie nun sinnvoll für sich nutzen können.

In beiden Fällen haben Sie zwei Stunden im Bus verbracht, doch Ihre Erwartungshaltung hat Ihr Empfinden, Ihre Bewertung und damit verbunden, Ihre Gemütslage verändert.

Unsere (Erwartungs)-Haltung können wir täglich stärken, indem wir unsere Arbeitstage etwas „entzerren“. Dies führt im Umkehrschluss dazu, dass wir in unserer Freizeit die eigene Umtriebigkeit ablegen können, was zu einem schnelleren Entspannungseffekt führt.

Managerinnen, die also gegen 4:00 Uhr morgens aufwachen und dann zwölf bis sechzehn Stunden arbeiten, werden es sehr schwer haben, bei einer plötzlichen oder auch geplanten Auszeit, wirklich Entspannung zu empfinden. Ihr Verstand empfiehlt Ihnen hierbei dauerhaft Aktivität in Form von Handlung. Über das schöne Wetter zu sinnieren, die Gedanken schweifen zu lassen oder einfach mal „nichts“ zu tun und nur vor sich hinzustarren, wird von Ihnen entsprechend schnell als Zeitverschwendung angesehen und als unnütz abgetan. Sie haben nicht verstanden, dass Zeit – Leben bedeutet.

Sie möchten direkt loslegen mit Ihrem Plan zur inneren Freiheit?

Doch wie schafft man eine „Entzerrung“ im beruflichen Arbeitsalltag?

Nun, hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten:

Tipp 1: Warten kann auch angenehm sein

Wenn Sie Ihre nächste Mail verfassen oder einen Anruf tätigen und niemanden erreichen, schrauben Sie Ihre Erwartungshaltung herab und genießen Sie die Zeit des Wartens. Freuen Sie sich darüber, dass derjenige/ diejenige Ihnen die Zeit gib, über Ihr Anliegen nachzudenken. Fragen Sie beim Rückruf doch auch mal gezielt nach dem Befinden Ihres Gegenübers. Helfen Sie auch anderen, den Wert der Zeit anders zu betrachten und nicht ungeduldig und schnell einen Anruf hinter sich bringen zu wollen, um keine Zeit zu „verlieren“. Was Sie durch solche Situationen erfahren können, ist viel wertvoller als ein strukturierter Plan – Leben, Entspannung, Kommunikation und Verbundenheit.

Tipp 2: Achtsamkeit als neues Credo in Ihrem Alltag

Stellen Sie sich gezielt in der Mittagspause in eine Schlange von Menschen (natürlich mit dem gebührenden Abstand) und betrachten Sie die Waren auf dem Band. Überlegen Sie, welche Gerichte damit wohl gekocht werden können und ob der/die Käufer/-in wohl im Garten oder am Küchentisch essen wird. Worüber man sich hier wohl unterhalten wird? Ob etwas auf den Boden fällt, wo bereits der freudenstrahlende Hund darauf wartet, es schnellstmöglich zu verspeisen?

Sie merken es, oder? Dies sind völlig abstruse Gedanken! Solche Gedanken fördern jedoch nicht nur die eigene Kreativität, sondern halten einen auch davon ab, im „Arbeitsmodus“ in die Pause zu gehen, nur um das Mittagessen vor dem PC sitzend einzunehmen, um „bloß keine Zeit zu verlieren“. Auch Gespräche und Spaziergänge sind hier natürlich empfehlenswert. Versuchen Sie jedoch einmal die beschriebene „Kreative-Alltags-Auszeit“. Es wird Sie erstaunen, inspirieren und vielleicht sogar zum Lachen bringen.

Tipp 3: Muße ist wichtig, um sich zu erholen

Nach Feierabend ist man meist dazu geneigt, sich den Rest des Tages mit „sinnvollen“ Aufgaben zu füllen. Man trifft sich mit Freunden oder geht zum Sport. Hieran ist pauschal nichts verkehrt, doch vergessen Sie nicht die wertvolle Muße! Suchen Sie sich gezielt Augenblicke, in welchen Sie weder gefordert noch unterhalten werden. Als Kind war unser Alltag gefüllt mit Müßiggang. Wir betrachteten auf dem Boden liegend die Wolken oder die Menschen im Park. Wir bauten Hütten, schlugen (Fantasie-)Schlachten (und siegten selbstverständlich!). Finden Sie zu solchen Augenblicken zurück und fördern Sie diese. Muße sollte Teil Ihres Arbeitsalltages sein. Wenn Sie sich also den nächsten morgendlichen Kaffee holen, schauen Sie doch mal eine Weile aus dem Fenster.

Sie können auch die berühmte kindliche „Alltags-Flucht-Strategie“ nutzen. Stellen Sie sich hierzu einfach vor, Sie wären Protagonist/-in in einem Heldenroman/Heldinnenroman und dieser beginnt mit einem normalen Tag, normalen Aufgaben und einem normalen Job, bis plötzlich…(Fühlen Sie sich eingeladen, diese Geschichte weiterzuerzählen).

Tipp 4: Das zeitliche Ideal kann verändert werden

Freizeit (Wochenende, Feiertage, Urlaub etc.) ist nicht das zeitliche Ideal! Verabschieden Sie sich davon, auf die Freizeit hinzuarbeiten. Nutzen Sie stattdessen freie Gelegenheiten, um diese wie einen kleinen „Urlaub“ zu feiern. Wenn Ihre Kinder bei den Großeltern sind, müssen Sie nicht unbedingt die Wohnung reinigen oder den Wocheneinkauf erledigen. Gehen Sie in den Garten oder Park, verbringen Sie ein romantisches Date mit ihrem Liebsten oder (Achtung!) tun Sie doch einfach mal nichts. Wenn Ihnen das schwer fällt, legen Sie sich doch mit frischem Nagellack und einer Gesichtsmaske auf die Coach und falls jemand fragt, können Sie es professionell als „Beauty-Retreatment“ ausweisen.

Tipp 5: Hören Sie beim Zeitmanagement auf Ihre innere Uhr

Die Uhrzeit, nach der wir uns richten, ist ein vom Menschen gemachtes Konstrukt. Natürlich richten wir unser Leben und Arbeiten nach dieser aus, weshalb Sie Berücksichtigung finden muss. Ich möchte Sie jedoch an Ihre innere Uhr erinnern. Ich habe in meinem vorherigen Angestelltenverhältnis den Fehler begangen, diese jahrelang zu ignorieren. Ich litt an chronischer Übermüdung, hatte schlechte Essensgewohnheiten und meine To-Do-Liste glich eher einem Aufgaben-Marathon. Erst nach und nach (noch während ich angestellt war und im Nachgang auch als Unternehmerin) lernte ich, auf meine innere Uhr zu hören. Ich schlief mehr und intensiver, ich aß, wenn ich Hunger hatte und nicht, weil ich es musste (allgemeine Mittagszeit), baute mehr Bewegung in meinen Arbeitsalltag ein und veränderte meine To-Do-Liste strategisch. Auch hier kann ich nur auf unsere größten Lehrer/-innen hinweisen: Kinder. Ihnen anzugewöhnen, alles immer aufzuessen und ihnen zu sagen, wann sie müde oder produktiv sein sollen, ist eine schwierige Angewohnheit. Prinzipiell wissen Kinder genau, wann sie müde sind, wann (und wie viel) sie essen wollen und wann sie Bewegung brauchen. Da dies jedoch oftmals nicht in unseren „Zeitplan“ passt, passen wir uns zusammen diesem einfach an, ohne zu hinterfragen, ob der Zeitplan für sie und uns überhaupt der richtige ist.

Es ist schwer aus dem zeitlichen Konstrukt unserer Gesellschaft gänzlich auszubrechen, deshalb möchte ich eher dazu einladen, sich in kurzen Augenblicken der Ruhephase kurz die Zeit zu nehmen, um einen Blick nach „Innen“ zu richten. Vielleicht ergeht es Ihnen ähnlich wie mir und sie erlangen dadurch zunehmend die Gelegenheit, kleine Gegebenheiten zu verändern, sodass sich Ihr Arbeitsalltag schrittweise (wenn auch nie gänzlich) an Ihre innere Uhr anpasst und nicht andersherum.

Ein Wochenplan, um zur Ruhe zu kommen – Ein Paradoxon?

Zeitmanagement-Planner2

Ich hoffe, diese Ideen konnten Ihnen einen kleinen Einblick verschaffen, wie wir unsere Haltung gegenüber der Zeit und unser „Zeitmanagement“ etwas entspannen können.

Mir ist klar: Wir Menschen mögen trotz aller gut gemeinten Empfehlungen unsere Strukturen und können auch nach einem interessanten Artikel nicht umgehend unser gesamtes Zeitempfinden und unseren Umgang mit der Zeit verändern.

Entsprechend möchte ich Sie an einem Punkt abholen, der Ihnen vertraut vorkommt und Sie gleichzeitig dazu einladen, einige der oben genannten Tipps mit einzupflegen.

Ich stelle Ihnen auf meiner Homepage ein Zeitmanagement-Kit zur Verfügung. Auch wenn dies paradox klingen mag, so können Pläne tatsächlich nicht nur Struktur, sondern als Nebeneffekt auch Ruhe schaffen.

Hierbei habe ich meine eigenen Empfehlungen berücksichtigt.

Entsprechend lasse ich in meinen Plänen stets Raum für neues, spannendes und unvorhergesehenes.

Dies ist wichtig, denn sonst sind Sie frustriert, dass Sie sich den gesamten Plan bereits gefüllt haben und jedes nicht eingeplante Ereignis versetzt Sie in eine Stresssituation.

Nehmen Sie also Begriffe, wie „Inspiration“ als aktiven Punkt in Ihre Liste auf. Hierunter können Sie das Lesen eines spannenden Artikels oder das Anschauen eines interessanten Beitrags fassen, denn auch das gehört zur persönlichen Bildung einer Unternehmerin dazu.

Auch „Social Media“ ist ein eigener Punkt auf der Liste, auch wenn Sie vermeintlich glauben, dass Sie doch nur die Timeline runterscrollen und nichts wirklich „produktives“ tun. In Wahrheit halten Sie Ausschau nach neuen Trends, sind Teil einer Community, beantworten Fragen, verfassen selbst Beiträge und arbeiten so täglich an Ihrer Sichtbarkeit (und somit indirekt an Ihrem Marketing).

Sie möchten direkt loslegen mit Ihrem Plan zur inneren Freiheit?

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