Zerstören Sie das Hamsterrad – Wie gezieltes Zeitmanagement uns freier macht

„Zeit ist Geld.“ – Diesen Satz hat der ein oder andere von Ihnen mit Sicherheit schon einmal gehört und als er auch mir zuletzt in einem ZOOM-Meeting begegnete, ließ er mich nicht mehr los. Darum soll es in diesem Artikel um gezieltes Zeitmanagement (siehe dazu auch Zeitmanagement – Eine Chance innere Ruhe zu schaffen?) gehen und wie Sie sich durch den Einsatz Ihrer Zeit nicht nur monitäre Mittel, sondern vor allem Ihre Freiheit sowie Ihr Glück zurückholen können.

Bedeutet Zeit wirklich Geld? 

Im Businesskontext kann man diese Analogie scheinbar nicht ganz von der Hand weisen. Dieses Verständnis folgt hier natürlich einem völlig veralteten Zeitverständnis, wonach die eigene Lebens- und Arbeitszeit notwendigerweise an ein allgemeingültig lineares Zeitkonzept angepasst werden müsste. Diese Anpassung unterlag zunächst der historischen Zeitmessung, die sich nach Sonnenaufgang und Sonnenuntergang sowie nach den Jahreszeiten richtete. Mit der industriellen Revolution erfolgte schließlich auch die Industrialisierung der Zeit. Die Zeit  gewann als wertvolles Gut an Bedeutung. In der Moderne sind es flexible Zeitkonzepte, an die wir uns täglich anzupassen haben und nicht selten endet dieser Anspruch im Burnout oder in dem Auftreten von Depressionen.

Doch was kann uns helfen, aus diesem „Mühlrad der Zeit“ zu entkommen? 

Eine mögliche Antwort könnte das Konzept des Memento mori (lat. Gedenke des Todes) sein, denn der Gedanke an unsere Sterblichkeit führt uns vor Augen, warum unsere Zeit so wichtig ist. 

Ich möchte an dieser Stelle allerdings einen weiteren spannenden, wenn auch etwas morbiden Gedanken zum Diskurs bringen und zwar einen des bekannten französischen Philosophen Albert Camus. Seiner Ansicht nach gibt es einen Kerngedanken, welcher in der Philosophie völlig unterrepräsentiert behandelt wird. Hierzu sagt er: „Es gibt nur ein wirklich ernstes philosophisches Problem: den Selbstmord.“ (Beginn aus seinem Werk Der Mythos des Sisyphos).

Wenn man sich fragt, warum man sich nicht umbringen sollte, führt das im Umkehrschluss dazu, darüber nachzudenken, aus welchen Gründen man am Leben bleiben sollte. Die Schlussfolgerung lautet: Weil unser Leben einen Wert hat.

Wofür es sich lohnt, zu leben

Dieser „Lebenswert“ wird uns eben nicht durch Geld verliehen. Wir begreifen den Wert des Lebens erst dann, wenn wir es geschafft haben, in der Gegenwart der zyklischen Zeit anzukommen. Dies bedeutet konkret: Wenn wir es geschafft haben, eine Balance zwischen dem gesellschaftlichen linearen Zeitkonzept und unserem körperlichen/geistigen Zeitkonzept (auch unter Biorhythmus bekannt) zu erwirken. Diese beiden Arten des Zeitverständnisses stehen sich oftmals diametral entgegen und bewirken dadurch eine Desynchronisierung. Während wir also verzweifelt versuchen, unseren Biorhythmus zu folgen, indem wir beispielsweise unserem natürlichen Müdigkeits -oder Hungergefühl nachgeben möchten, zwingt uns die Arbeitswelt zu bestimmten Zeiten (9 to 5) geistige Höchstleistungen zu erbringen und unser tägliches Mittagessen in einem gewissen, von allen still akzeptierten, Zeitraum (11:00-13:00 Uhr) einzunehmen.

Doch was soll die Lösung für diese Herausforderung sein? Wie finden wir zu einer gesunden Balance beider Zeitkonzepte? Müssen wir unser Zeitverständnis verändern? Sollen Arbeitszeiten völlig aufgelöst werden? Sollen wir bestenfalls unsere To-Do-Listen zerreißen?

Zeitmanagement als Konstante in einer unbeständigen Welt

Bevor Sie bereits den Schredder anwerfen, möchte ich auf den wesentlichen Kern dieses Artikels eingehen. Verstehen Sie mich nicht falsch. Zeitmanagement kann eine wundervolle Sache sein, es gibt uns Sicherheit, Struktur und kann uns auch ruhiger werden lassen, weil wir merken, dass wir schrittweise unseren Zielen näherkommen. Es ermöglicht uns auch eine Art der Kontrolle in einer Welt, in welcher viele Dinge außerhalb unseres Wirkungskreises liegen und in der wir manchmal das Gefühl haben, Gegebenheiten und Entscheidungen anderer ausgeliefert zu sein, was wiederum zu einer inneren Ohnmacht führt.

Doch mit einem Zeitmanagement-Mythos möchte ich in diesem Artikel gerne aufräumen:

„Ich habe keine Zeit“ ist eine der größten Lügen im Business und vermutlich auch im restlichen Leben. 

Wir alle haben 24 Stunden an einem Tag zur Verfügung, vorausgesetzt wir sind gesund und können eigenständig über unsere Ressourcen verfügen. Wenn Sie also keine Zeit für bestimmte Menschen, Projekte oder Kooperationen haben, so heißt dies nicht, dass die Zeit faktisch nicht vorhanden ist, sondern weil Sie sich diese nicht nehmen – Ihre Prioritäten sind schlicht und ergreifend andere, die Zeit hat sich hingegen nicht verändert.

Freiheit bedeutet auch Verantwortung zu übernehmen

Zeitmanagement-Artikel

Prinzipiell ist es auch wünschenswert, bestimmte Prioritäten zu haben. Laut Jean-Paul Sartre geht Freiheit immer mit Entscheidung und Verantwortung einher, weshalb er den Satz tätigte: „Frei sein heißt zum Freisein verurteilt sein“ (Mehr zum Thema: Existenzialismus). Wir sind in Freiheit geboren und haben seit dem Augenblick, in welchem wir diese Freiheit bewusst nutzen, gleichermaßen die Verantwortung mit auf den Weg bekommen, diese Freiheit so sinnvoll und sinnstiftend wie möglich mit spannenden, inspirierenden und wertschöpfenden Aufgaben zu füllen. Doch eine solche Freiheit kann auch schwer wiegen. Unsere Entscheidungen haben oftmals weitreichende Folgen und zwar nicht nur für uns selbst, sondern auch für Familie, Kollegen/Kolleginnen oder Kooperationspartner/-innen.

Und genau hier beginnt unser Zeit-Dilemma. Denn Zeit zu managen gelingt nur jenen, die bereit sind, Entscheidungen zu treffen und auch die Verantwortung für die Konsequenzen zu tragen. Hat man hingegen stets Angst, etwas zu verpassen (siehe meinen Artikel zu FOMO) oder scheut sich gar überhaupt Entscheidungen zu treffen, so fühlt man sich stets als Opfer der Zeit, die einem wie Sand durch die Finger zu rinnen scheint. Aus diesem Grund machen sich diese Menschen auch oftmals illusorische Gedanken zur Zeit á la „Wenn ich endlich Urlaub habe, dann…“ oder „Wenn ich in Rente bin, dann…“ , denn diese Ereignisse liegen weit in der Zukunft und bedürfen weder Entscheidung, noch Verantwortung. Treten sie sodann ein, folgen die Ausreden, warum die Illusion und die Realität unvereinbar scheinen und die gesetzten Ziele nun doch nicht umgesetzt werden können.

Das Geheimnis von gutem Zeitmanagement

Gute Fach-und Führungskräfte sowie Unternehmer/-innen wissen um das Geheimnis der Zeit. Auch sie fühlen sich ab und an gestresst oder hinterfragen ihre Entscheidungen, doch sie betrachten sich nicht als Getriebene, die nie zur Ruhe kommen (dürfen).

Nun fragen Sie sich bestimmt, was das Geheimnis der Zeit ist. 

Die Antwort ist recht simpel: Sie können nicht alles haben. 

Sie können nicht 80 Stunden die Woche arbeiten und genügend Zeit für sich, ihre Partnerschaft und ihre Kinder haben. Sie können nicht ein Business starten und dann vermeintlich glauben, Sie hätten nun mehr Zeit, Ihren Hobbys oder ihrem Familienleben nachzugehen.

Zeit zu investieren und diese zu managen, bedeutet neben Entscheidungen zu treffen und dafür Verantwortung zu tragen vor allem auch eines: Kompromisse zu schließen und ja, auch „Opfer“ zu bringen oder wie ich es lieber ausdrücken möchte: Prioritäten zu setzen.

Doch wie schafft man es, die „richtigen“ Prioritäten zu setzen?

Nutzen Sie Ihre Zeit souverän

Gerne teile ich mit ihnen meine Tipps, wie Sie mehr an „Zeitsouveränität“ gewinnen können:

  • Stellen Sie sich die richtigen Fragen: Welche Aufgabe erfüllt mich und welche nicht? Warum übe ich letztere noch aus? Wenn die Antwort der Lebensunterhalt ist – Wie kann ich hier Veränderung schaffen? Welche Menschen können mir hierbei helfen? Brauche ich den Rat einer guten Freundin? Brauche ich die Unterstützung im Rahmen meiner Partnerschaft oder benötige ich professionelle Unterstützung durch einen Business Coach?
  • Nutzen Sie ein Zeitmanagement-Tool: Egal ob es sich um ein Onlinetool (bsp. Microsoft To Do) oder ein analoges Tool, wie beispielsweise mein Zeitmanagement-Kit handelt – Zeitmanagement beginnt mit der Verschriftlichung aller Aufgaben, die uns gedanklich Kraft rauben und so daran hindern, an den wirklich wichtigen Dingen zu arbeiten.
  • Treffen Sie Entscheidungen, für die Sie Verantwortung übernehmen wollen: Viele meiner Klientinnen fragen mich, wie ich es schaffe, so viel auf Social Media präsent zu sein, meinem Business nachzugehen und noch ein Privatleben zu pflegen. Die Antwort lautet: Ich organisiere, ich entscheide und ich trage Verantwortung. Sie wünschen Sich ein konkretes Beispiel? Warum nicht! An dieser Stelle führe ich gerne mein persönliches „Thema aus der Hölle“ an: Steuern. Ich habe mich bereits in den ersten Zügen meiner Unternehmensgründung dazu entschieden, dieses Thema einem Profi zu überlassen, warum? Weil es mich wichtige Lebenszeit kostet, die in anderen Bereichen, in welchen ich meine Stärken sehe, besser investiert ist. Diese Entscheidung habe ich bewusst getroffen und aus diesem Grund beschwere ich mich auch nicht über den Preis, den mein Steuerberater dafür veranschlagt. Dieser ist nicht nur gerechtfertigt, ich zahle ihn sogar gern, denn mein Gewinn ist dadurch (nicht nur finanziell) um einiges höher.
  • Vermeiden Sie „Zeiträuber“: Natürlich darf man in diesem Kontext das Thema Social Media nicht unterschlagen. Wer kennt das nicht? Da scrollt man gefühlt nur zwei bis drei Minuten durch die Timeline auf Facebook und zack (!) sind auf einmal dreißig Minuten vorbei. Aus diesem Grund habe ich feste „Zeitslots“, in welchen ich mich auf Social Media bewege. Diese nutze ich dann, um Kommentare zu beantworten, Artikel zu veröffentlichen oder mich über Leben, Business und Nachrichten aus aller Welt zu informieren. Auch die Beitragsplanung mittels Tools, wie Buffer oder Hootsuite kann hier ein wenig Abhilfe schaffen, da man sich mit einem einmaligen (wöchentlichen) Zeitinvest durch Planung viel aktive Arbeit sparen kann und sich dadurch lieber der direkten Kommunikation mit Geschäfts- und Kooperationspartnern widmen kann.
  • Investieren Sie Zeit in sich selbst: Neben all den Menschen und den beruflichen/unternehmerischen Herausforderungen sollten Sie ein wichtiges Zeitinvest niemals vergessen: Die Zeit, die Sie in sich selbst investieren. Meist kürzen wir diesen Bereich herunter oder stellen ihn hinten an. Zeit in Wellness, Sport, ein Hobby oder einfach nur für den Müßiggang wird hierbei oftmals nicht priorisiert, genauso wenig, wie ein Zeitinvest in die eigene Bildung und Vision. In meinen Coachings sehe ich täglich, was passieren kann, wenn meine Kundinnen sich bewusst dafür entschieden haben, Zeit in sich selbst zu investieren und mich als ihre Wegbegleiterin zu wählen. Plötzlich werden gedankliche Schranken niedergerissen, neue Ideen entwickelt und Mut für innovative Projekte entwickelt. Wer sich bewusst Zeit für sich und die eigene Lebens -und/oder Business-Vision nimmt, spürt deutlich, dass es mehr gibt, als das was in der Schule oder im Elternhaus gelehrt wurde. Dadurch eröffnen sich neue berufliche Wege und spannende Businessideen, die wir bisher stets unter dem Credo „Dafür habe ich keine Zeit“ vergraben hatten.

Und mein zentraler Zeit-Tipp

Stellen Sie Ihrer To-Do-Liste immer die zentrale Frage entgegen: Ist diese Aufgabe, diese Tätigkeit oder diese Person meine Zeit wert? Lautet die Antwort „Nein“, so investieren Sie Ihre Zeit anderweitig, denn Ihre Lebenszeit ist endlich und ihr wichtigstes Gut, also verbringen Sie diese mit Menschen und Tätigkeiten, die Ihnen wichtig sind.

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